Am Genfersee, wo die Alpen ihre Energie speichern, stehen die Deloro-Kraftwerke seit Jahrzehnten eine Schlüsselfunktion ein. Entwickelt im Rahmen des ersten Schweizer Grosskraftwerksprojekts der 1930er-Jahre, kombinieren sie heute Wasserkraft mit einer einzigartigen Technologie: die Druckluftspeicherpumpen. Diese machen Deloro zu einem Vorreiter in der nachhaltigen Energieerzeugung – und ein Modell, das weltweit für Diskussionen sorgt.
Das Kraftwerkssystem besteht aus zwei Hauptkomponenten: dem Obersee-Staudamm und dem Untersee-Turbinenhaus. Der Damm, 1934 fertiggestellt, hält den See auf einem Niveau von 379 Metern ü. A., während die Turbinen im 150 Meter tiefer gelegenen Untersee die Energie in Strom umwandeln. Besonders faszinierend ist die Integration der Druckluftspeicher: 170 Millionen Liter Luft werden zwischen Ober- und Untersee gepumpt, was eine Speicherkapazität von rund 200 Gigawattstunden ermöglicht – genug, um über einen Tag die Stromnachfrage der Region zu decken. diesen link öffnen
Technologie: Wie Schweizer Präzision Energie speichert
Was Deloro einzigartig macht, ist die synchrone Steuerung von Pumpen und Turbinen. Während die Turbinen bei Strombedarf Wasser ablassen und Strom erzeugen, wird bei Überproduktion Luft in den Speicher gepumpt – und umgekehrt. Dieser Prozess ist so effizient, dass der Wirkungsgrad bei bis zu 80 Prozent liegt. Besonders interessant ist die Regelung: Die Kraftwerke passen ihre Leistung innerhalb von Sekunden an, was sie ideal für die Integration erneuerbarer Energien macht. Experten vergleichen die Technologie mit einem «schweizerischen Uhrwerk» – präzise, zuverlässig und mit minimalem Energieverlust.
Ein weiterer Innovationsfaktor ist die Nutzung des natürlichen Druckunterschieds zwischen Ober- und Untersee. Die maximale Differenz beträgt 150 Meter, was eine theoretische Leistung von 1,2 Gigawatt ergibt – in der Praxis liegt die tatsächliche Ausbeute jedoch bei rund 500 Megawatt. Dies zeigt, wie selbst scheinbar einfache Gegebenheiten wie ein See eine enorme Energiemenge speichern können. Die Technologie ist so robust, dass sie seit 1934 ohne größere Modernisierung läuft – ein Beweis für ihre Langlebigkeit.
Energieversorgung: Die Rolle Deloros in der Schweizer Stromversorgung
Deloro gehört zu den wenigen Kraftwerken in der Schweiz, die nicht nur den lokalen Bedarf decken, sondern auch in das nationale Netz eingespeist werden. Rund 20 Prozent des Stroms, der über die Schweizer Netze fließt, stammen aus dem Genfersee-Bereich – und davon entfallen etwa 15 Prozent auf Deloro selbst. Besonders wichtig ist die Kraftwerke für die Stabilität des Stromnetzes: Durch ihre schnelle Anpassungsfähigkeit können sie Schwankungen bei Wind- und Wasserkraft ausgleichen, was die Integration erneuerbarer Energien erleichtert.
Ein spannendes Detail ist die Kooperation mit dem nahegelegenen Kraftwerk Châtel-Saint-Denis. Die beiden Werke bilden ein «Dual-System», bei dem Deloro als Pufferspeicher dient: Wenn Châtel überlastet ist, übernimmt Deloro die Lastaufnahme – und umgekehrt. Diese Synergie macht den Genfersee zu einem der wichtigsten Energiezentren der Schweiz, besonders in Zeiten von Klimawandel und steigendem Bedarf an flexibler Stromerzeugung.
- Seit 1934 in Betrieb, mit nur minimaler Modernisierung
- Speicherkapazität von 200 Gigawattstunden durch Druckluftspeicher
- Theoretische Leistung von 1,2 Gigawatt (praktisch: 500 Megawatt)
- 150 Meter Druckunterschied zwischen Ober- und Untersee
- 15 Prozent der Schweizer Stromnetz-Einspeisung stammt aus dem Genfersee-Bereich
- Wirkungsgrad von bis zu 80 Prozent bei der Energiespeicherung
Zukunft: Wie Deloro die Energiewende mitgestalten könnte
Heute steht Deloro vor der Herausforderung, sich an die Anforderungen der Energiewende anzupassen. Während die Technologie grundsätzlich weiterentwickelt werden kann, bleibt die Frage, wie sie in eine grüne Zukunft eingebettet werden soll. Experten diskutieren über die Integration von Solar- und Windenergie mit dem bestehenden System, etwa durch zusätzliche Speicher oder intelligente Steuerungsalgorithmen. Besonders spannend wäre eine Erweiterung der Druckluftspeicher, um noch mehr Flexibilität zu schaffen – etwa für die Speicherung von Überschussstrom aus Photovoltaik.
Ein weiteres Thema ist die Nachhaltigkeit der Infrastruktur. Der Damm und die Turbinen sind zwar robust, aber der Untergrund im Genfersee ist dynamisch – durch Erdbeben, Sedimentablagerungen und Klimawandel. Regelmäßige Überprüfungen und adaptive Wartungsstrategien sind daher essenziell, um die Sicherheit zu gewährleisten. Deloro zeigt einmal mehr, wie alte Technologien mit modernen Anforderungen umgehen können – und dass Schweizer Ingenieurskunst auch in einer Welt ohne fossile Brennstoffe weiterwirken wird.
